Historie

1769 – Wie alles begann

Nach der Fertigstellung des prachtvollen Neuen Palais, welches Friedrich II. in den Jahren 1763 bis 1769 hatte errichten lassen, sollte nun auch die Umgebung gärtnerisch aufgewertet werden. Friedrich II. ließ deshalb auf dem nahegelegenen Klausberg eine Fläche von 211 x 53 Metern eigens für die Obstzucht, insbesondere aber für den Weinbau eingrenzen.
Die Entstehung eines Weinbergs geht vermutlich auf das Ansinnen eines Grenadiers der preußischen Garde namens Werley zurück. Dieser hatte bereits 1768 dem König den Vorschlag unterbreiten lassen, einen Weinberg nach rheinländischer Art einzurichten. Friedrich war derart fasziniert von der Idee, dass er Werley die Verantwortung über die gesamte Anlage übergab. Er durfte zwar nicht den Titel „Hofgärtner“ führen, war aber als eine Art Revierleiter  für die Entwicklung des Weinbergs zuständig.

Als Friedrich den Klausberg  besuchte, war er von der Aussicht so angetan, dass er den Bau des „Belvederes“, eines Gebäudes der „schönen Aussicht“ befahl. Baumeister war Georg Christian Unger. Zugleich beauftragte der König Carl Philipp Christian von Gontard mit dem Bau eines Winzerhauses im Stile einer chinesischen Pagode. Dieses sogenannte Drachenhaus sollte Werley als Wohnhaus dienen. Der König wollte ihn gern in der Nähe seines Weinbergs haben.

Trotz Friedrichs Engagement blieben die Erträge des Weinbaus jedoch hinter den Erwartungen zurück. Woraufhin Werley die Gunst des Königs verlor. Folglich blieb das Drachenhaus unbewohnt.

 

 

1772 – Der Eckstein, der zum Grundstein wurde

Der Versuch des Weinbaus schien zunächst gescheitert. Aber Friedrich II. gab seinen Traum von einem Weinberg unterhalb des Belvederes nicht auf! So übergab er die Pflege für das gesamte Areal auf dem Klausberg in die Obhut seines fähigen Hofgärtners Heinrich Christian Eckstein, welcher sich bereits für die Anlagen rings um das Neue Palais und auch die verglasten Treibmauern verantwortlich zeichnete.

Eckstein hatte deutlich mehr Erfolg. Er konnte die königliche Tafel mit vorzüglichen Trauben, Pfirsichen, Azaroläpfeln und Aprikosen versorgen. Insbesondere die Obstspaliere an den Treibmauern waren so ertragreich, dass sich Friedrich II. im Jahre 1785 entschloss, die Erdterrassen zu entfernen und die Treibmauern nach Westen zu verlängern.

Als Eckstein 1795 pensioniert wurde, verfügte die Nutzgartenanlage auf dem Klausberg somit über 433 Meter laufende Meter ältere und 292 laufende Meter neuere Mauern sowie eine Erdmauer. 

Ecksteins Nachfolger – Johann Wilhelm Busch, Carl Friedrich Nietner und schließlich Carl Julius Fintelmann – führten Ecksteins Vermächtnis kontinuierlich fort. Fintelmann war es auch, der 1827 zusammen mit Obergärtner Hermann Sello die Anlage unterhalb der südlichen Einfassungsmauer mit weiteren Obstpflanzungen erweiterte. Die Pfirsichspaliere reichten bis an die Südmauer.

1840 – Der Triumph über die Visionen

Friedrich Wilhelm IV. gilt als der Romantiker unter den preußischen Monarchen. Schon als Prinz schwärmte er für Kunst und Lyrik, gern wäre er Architekt geworden.
Nach der Thronbesteigung 1840 ließ er seinen Visionen freien Lauf. Obenan stand seine Vision von einer „Via Triumphalis“, einer nördlich des Parks Sanssouci gelegenen, zwei Kilometer lange Höhen- und Triumphstraße,  gesäumt  von südländisch geprägten, monumentalen Renaissancebauten. Sie sollte vom Triumphportal des Ludwig Ferdinand Hesse am Fuße des Winzerberges bis zum Belvedere auf dem Klausberg reichen.  Neben vorhandenen Gebäuden aus friderizianischer Zeit waren als Neubauten eine Tempelanlage zu Ehren Friedrichs II. auf dem Mühlenberg vorgesehen, zudem Viadukte, Terrassenanlagen und italienisierende Bauten, schließlich als architektonischer Höhepunkt das Orangerieschloss auf dem Bornstedter Höhenzug.

Für die Gestaltung des Klausbergs entwickelte der König gemeinsam mit dem Architekten Ludwig Persius die Idee von einer Gartenanlage im Stil der italienischen Renaissance. Das Belvedere sollte im Zentrum einer symmetrisch orientierten Terrassenanlage mit Wasserkaskaden anstelle der Mittelrampe stehen.

Von dem  gigantischen Triumphstraßenprojekt kam jedoch nur Fragmente zur Ausführung – zum Beispiel das langgestreckte Orangerieschloss. Und von der einst so prachtvoll geplanten Kaskadenanlage wurde 1844 lediglich eine Balustrade,gekrönt von zwei Kolossalvasen auf der obersten Mauer des Königlichen Weinberges, realisiert.

 

1862 – Pariser Chic in Preußens Gärten

Über die Grenzen Frankreichs hinweg hatten die Gärten von Montreuil  einen exzellenten Ruf – berühmt für ihre hervorragenden Pfirsichkulturen. Die Früchte aus Montreuil wurden an den Tafeln der bedeutendsten Könighäuser Europas serviert.
Es war  vor allem der Pfirsichkultivator Alexis Lepère aus einer der bedeutendsten Gärtnerfamilien Montreuils, der dafür sorgte, dass die Bekanntheit der Mauern auch im Ausland stieg.  Seine Vorträge und Demonstrationen fanden große Beachtung und zogen viele Interessenten in den kleinen Pariser Vorort.

Ebenso erfolgreich war sein Sohn Alexis Lepère d. J., der auch in Deutschland ähnliche Anlagen wie in Montreuil anlegen wollte. Als tüchtiger Geschäftsmann warb er um die Gunst von Königin Augusta, der Gemahlin des damaligen Königs und späteren Kaiser Wilhelm I. Nach anfänglicher Zurückhaltung – zu kostspielig erschien Augusta seine Art der Pfirsichkultur – stimmte sie zu. Lepère wurde schließlich auf dem Königlichen Weinberg  eine Fläche östlich des Belvederes zugewiesen, um seine Treibmauern zu errichten.

So entstanden im Sommer 1862 auf einer Fläche von ca. 40 x 17,5 Metern drei nach Süden offene Quartiere, deren Ausrichtung perfekt berechnet wurde, um eine optimale Sonnenbestrahlung zu gewährleisten. Die sogenannten Lepère’schen Mauern hatten eine Höhe von etwa 2,80 Meter und waren beidseitig mit Spalieren bekleidet.  Bepflanzt wurden sie mit Pfirsich-, Birn-, und Kirschbäumchen, welche Lepère eigens für die Gärten in Sanssouci aus seiner Heimat bezog.

 

1905 – Des Kaisers neue Kleider auf dem Klausberg

Wie sein Großvater Wilhelm I. war auch Wilhelm II. an der Fruchttreiberei interessiert. Er  wünschte sich „eine ganzjährige Selbstversorgung mit Obst und Gemüse“. So investierte er  in die damals modernste Obstzuchttechnik.
In den Jahren bis 1902 entstand unter Leitung von Hofbaurat Bohne seitlich der Mittelrampe eine aufwendige und kostenintensive Gewächshausanlage: mit drei großen, je 100 Meter langen Obsthäusern und zwei separaten Heizhäusern. Die Anlagen verschlangen riesige Mengen an Koks und sorgten für eine enorme Steigerung des Unterhaltsetats.

Der Erfolg blieb nicht aus. Die ganzjährige Selbstversorgung des königlichen Hofes mit Obst und Gemüse funktionierte. Schon im Jahre 1903 betrug die Ernte 21 Zentner und der Ertrag wuchs weiter.  Allein die Talutmauern am Klausberg lieferten fünf Zentner Trauben.

Außerdem hatte der Kaiser 1895 und 1905 umfangreiche Erneuerungs- und Modernisierungsarbeiten auf dem Klausberg veranlasst. Die Talutmauern wurden repariert, die Mittelrampe wurde von einem Laubengang mit neobarocken Stirnbogen überspannt.

 

1945 – Marmor, Stein und Eisen bricht

Nach der Abdankung des Kaisers und dem Ende der Monarchie verloren die königlichen Nutzgärtnereien ihre ursprüngliche Bestimmung, nämlich die Versorgung der kaiserlichen Tafel mit Obst und Gemüse. Dennoch wurde die Fruchtkultur zunächst auf hohem Niveau weiterbetrieben. Zeitgenössische Presseberichte sprechen von „intensiv betriebenen Weinkulturen mit über 1000 Rebstöcken“ auf dem Klausberg.

Aber die Zweckbestimmung der Anlage hatte sich geändert. Primär war jetzt nicht mehr der gärtnerische Nutzen, sondern der Erhalt der Gärten insgesamt als Kulturdenkmal. Für die Weingärten auf dem Klausberg bedeutete dies, dass zunehmend auch Blumen und Zierpflanzen für die Gärten von Sanssouci gezogen wurden.

Die Folgen  des Zweiten Weltkrieges haben den Königlichen Weinberg endgültig ruiniert. Das Belvedere auf dem Klausberg wurde durch Artilleriebeschuss zerstört, es brannte vollständig aus. Die Scheiben an den Talutmauern waren zerborsten. Der  Park Sanssouci und der Neue Garten kamen unter die Kontrolle der Roten Armee, waren für die Öffentlichkeit zunächst nicht mehr zugänglich.

Es begannen die Aufräumarbeiten. Gesucht wurde nicht nur nach Waffen und Munition, sondern auch nach brauchbaren Materialien. Die sowjetische Armee demontierte 1945 das komplette westliche Treibhaus auf dem Klausberg, nahm es als Reparationsleistung. Ein weiteres Gewächshaus diente der Baustoffgewinnung. Der Rest der Anlage verfiel im Laufe der Jahre zusehends. Wildwuchs füllte die ungenutzten Bereiche, Mauern stürzten ein, die Gewächshausanlage mit der noch vorhandenen Kesselanlage rostete vor sich hin.

 

2006 – Die Rückkehr von Kaiser Wilhelm

Nach der politischen „Wende“  1989 geriet auch der  Königliche Weinberg wieder in den Blick, seine Wiederherstellung erschien möglich. Die Messerschmitt-Stiftung beispielsweise finanzierte den Wiederaufbau des Belvederes, zum 1.000-jährigen Jubiläum 1993 sollte die Stadt Potsdam ihren beliebten Aussichtspunkt zurück erhalten. Die endgültige Wiederherstellung  erfolgte jedoch erst 2002.
Zunächst blieb es  aber bei punktuellen Rekonstruktionen, wie z.B. der Wiederherstellung der oberen Talutmauern des Weinbergs. Der  desolate bauliche Zustand der Anlage ließ angesichts der anspruchsvollen denkmalpflegerischen Auflagen Gesamtlösungen unrealistisch erscheinen.

Dennoch entwickelten im Vorfeld der Bundesgartenschau in Potsdam 2001 Vertreter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) und des Vereines
„Mit uns gelingt’s“ Brandenburg e.V.  (MUG) die Idee, die Lepère’schen Mauern wiederzubeleben. Im Rahmen von Sozialprogrammen wurden zunächst die Mauern restauriert und mit Obst bepflanzt.
Die Schlösserstiftung ließ  die schmiedeeisernen Tore aus der Kaiserzeit wiederherstellen, die Gärtner der Stiftung lichteten das den Weinberg umgebene Gehölz. Alte Sichtbeziehungen wurden wieder erlebbar, Wege erneut zugänglich. Bei der Veranstaltungsreihe „Preußisch Grün“ 2009 konnten sich die Besucher einen ersten Eindruck von den Arbeiten der Mosaik-Werkstätten auf dem Klausberg machen.

In den vergangenen Jahren wurden durch die Gärtner von Mosaik mehr als 2000 Rebstöcke der Sorten Regent und Cabernet Blanc sowie über 200 Apfelbäume gesetzt. Dabei erhielten sie tatkräftige Unterstützung: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich betätigte sich als Gärtner. Und auch der Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers Georg Friedrich Prinz von Preußen pflanzte anlässlich der Hochzeit mit Sophie Prinzessin von Isenburg am 27. August 2011 auf dem Klausberg einen Apfelbaum: passend zum Anlass die Sorte „Kaiser Wilhelm“. Seit März 2015 wurde die Zusammenarbeit zwischen den Mosaik-Werkstätten und der SPSG auch vertraglich manifestiert.